Reiseberichte aus dem Sanella-Album Mittel- und Südamerika

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Kolumbien macht uns den Abschied von Südamerika schwer. Zwar ist es wieder ordentlich warm hier. Aber das Land ist unglaublich fruchtbar und reich an Bodenschätzen. Und die Kolumbianer sind ein fleißiges und lebhaftes Volk. "Der liebe Gott ist Kolumbianer", ist hier ein oft gebrauchtes Sprichwort. Und das soll doch wohl heißen, daß sie mit ihm in bestem Einvernehmen leben und annehmen, daß er es auch gut mit ihnen meint.

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Woher die Schokolade ihren Namen hat

Kein Wunder, wenn die Kolumbianer mit dem lieben Gott auf gutem Fuß stehen, war Kolumbien doch einstmals das reichste Goldland der Welt. Die kolumbianischen Indianer machten es den ersten Eroberern und Entdeckern wahrhaftig nicht leicht, an die sagenhaften Schätze heranzukommen. Mit Giftpfeilen und Blasrohren haben sie die schwer zugängliche Küste verteidigt. Da mußten es die Eroberer von der anderen Seite, vom Stillen Ozean aus, versuchen. Kolumbien ist nämlich das einzige Land Südamerikas, das Küsten an beiden Ozeanen hat. - Nur ganz nebenbei: Weißt Du, woher die Schokolade ihren Namen hat? Komisch, was? Mitten in Kolumbien auf so eine Frage zu kommen! Aber paß auf: Im Norden des Landes gibt es ein Tal, das "El Chocó" heißt. Dort soll die engere Heimat des Kakaobaumes gewesen sein.

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Und vom Chocó hat die Schokolade ihren Namen. Merk es Dir, Jupp! Vielleicht kommt die Frage mal in einem Preisausschreiben vor! Und auch sonst kann man ja immer noch etwas für seine Allgemeinbildung tun.

Mit einem Arriero durchs Gebirge

Wir haben ein paar anstrengende Tage hinter uns. Es ist aber auch richtig romantisch gewesen. Fernandez und Onkel Tom wollten in ein noch ziemlich unerschlossenes Gebiet, wohin von Süden aus, woher wir kamen, noch keine Straßen oder Fluglinien führen. Oft gibt es da nur Saumpfade. Allein, zu Fuß wäre das kein besonderes Vergnügen. Wir haben uns deshalb einer Partida, einer Maultierkarawane, angeschlossen. Der Transportführer, den man hier Arriero nennt, war gleich einverstanden. Wir schienen ihm als Begleiter seiner Karawane ganz willkommen zu sein. Sonst muß er für die zwanzig, dreißig Maultiere, die oft kostbare Lasten tragen, ein paar Gehilfen anwerben, die Lohn verlangen. Ein scharfgezeichnetes Gesicht hatte der Mann, die Haut von Wind und Wetter gegerbt. Hose und Hemd, ein Panamahut, der Poncho, der hier in Kolumbien Ruana heißt, und Alpargas an den Füßen, Sandalen mit dicken Hanfsohlen - so zieht er wochenlang mit seinem Transport durchs Gebirge. Aber bald hätte ich das Wichtigste vergessen: das Haumesser, die Machete, die er im Gürtel trägt. Sie ist Waffe und Werkzeug zugleich und unterwegs für alles zu brauchen. - Mindestens fünfzig Kilometer haben wir am Tag geschafft.

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